Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich bewegt sich heuer in den ersten drei Quartalen annähernd auf dem Niveau des Vorjahres. Eine Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht für diesen Zeitraum von rund 5.140 Firmenpleiten aus, was einem leichten Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht. Für das Gesamtjahr rechnet der KSV mit etwa 6.800 Unternehmensinsolvenzen und damit in etwa mit dem Niveau von 2025.
Betroffene Branchen und unmittelbare Belastungen
Besonders betroffen seien laut KSV der Handel, das Baugewerbe, die Gastronomie und die Beherbergung. Auffällig ist, dass heuer im Schnitt pro Tag 19 Betriebe Insolvenz angemeldet hätten. Trotz der stabilen Zahl der Verfahren seien die Folgen für Beschäftigte und Gläubiger gestiegen: Die vorläufigen Passiva lagen zum Stichtag 9. September bei rund 6 Mrd. Euro, damit um 7 Prozent unter dem Vorjahr. Gleichzeitig waren heuer 15.700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betroffen (plus 4,7 Prozent) und rund 36.300 Gläubiger (plus 8,7 Prozent).
- Hauptbranchen: Handel, Bau, Gastronomie, Beherbergung
- Tägliche Insolvenzanmeldungen (Unternehmen): 19
- Vorläufige Passiva (Stichtag 9. September): 6 Mrd. Euro
Nicht eröffnete Verfahren und daraus resultierende Risiken
Der KSV weist darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der möglichen Verfahren gar nicht eröffnet werde: 43 Prozent der Fälle blieben demnach aus, weil das für ein Verfahren notwendige Kapital fehle. Das hat Folgen für Gläubiger und das Marktumfeld, weil Forderungen oft nicht geordnet abgewickelt werden können und betroffene Unternehmen informell weiterbestehen können, was rechtliche und wirtschaftliche Unsicherheiten erhöht.
Privatkonkurse steigen deutlich
Während die Firmeninsolvenzen weitgehend stabil blieben, verzeichnete der KSV bei den Privatkonkursen einen klaren Anstieg. Für die ersten drei Quartale erwartet der Verband 7.390 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren, ein Plus von 10,7 Prozent. Das entspricht im Schnitt 27 Privatinsolvenzen pro Tag. Die vorläufigen Passiva der Privatkonkurse legten seit Jahresbeginn um 20 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro zu. Für das Gesamtjahr rechnet der KSV mit rund 9.300 eröffneten Verfahren.
„Aufgrund der unverändert angespannten wirtschaftlichen Lage“ sei ein Anstieg der Privatkonkurse zu erwarten gewesen, sagte Karl‑Heinz Götze vom KSV1870.
| Grösse | Erste 3 Quartale 2026 | Prognose Gesamtjahr 2026 |
|---|---|---|
| Firmenpleiten (Anzahl) | 5.140 | 6.800 |
| Vorläufige Passiva (Firmen) | 6 Mrd. Euro (Stichtag 9. September) | |
| Betroffene Arbeitnehmer (Firmen) | 15.700 (plus 4,7 %) | |
| Privatkonkurse (Anzahl) | 7.390 | 9.300 |
| Vorläufige Passiva (Privat) | 1,1 Mrd. Euro (plus 20 %) | |
Kontext und mögliche Folgen
Die gegenwärtige Entwicklung spiegelt zwei unterschiedliche Dynamiken: Bei Unternehmen sorgt offenbar eine Kombination aus Anpassungen, Marktbereinigung und möglicherweise gezielter Insolvenzverwaltung dafür, dass die Zahl der Verfahren nicht stark ansteigt. Die gestiegenen Betroffenenzahlen und die höhere Gläubigerzahl deuten jedoch auf eine intensivere Verteilung der Schäden hin. Bei Privatpersonen sind die Zahlen deutlich alarmierender — hier wirkt sich neben der wirtschaftlichen Lage auch ein rechtlicher Faktor aus: Mit Mitte Juli endete die Möglichkeit einer dreijährigen Entschuldung, was die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren erhöht hat.
Für Politik und Wirtschaft ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder: Präventive Entschuldungs‑ und Beratungsangebote könnten erweitert werden, um eine nachhaltige Rückkehr Betroffener in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Gleichzeitig bleibt das Monitoring der Branchen wichtig, die besonders anfällig sind, um frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ermöglichen und Kettenwirkungen auf Zulieferer und Beschäftigung zu begrenzen.
Insgesamt zeigt die KSV‑Hochrechnung eine differenzierte Lage: Stabilität bei den Firmenzahlen, aber mit tiefer gehenden Auswirkungen auf Beschäftigte und Gläubiger sowie eine spürbare Verschärfung bei den Privatkonkursen.