Die von der Regierung ausgeweiteten kostenlosen Impfangebote in Österreich stoßen auf breite Nachfrage. Gesundheitsministerin Korinna Schumann und Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonten bei einem Hintergrundgespräch in Wien, das Ziel, Impfungen unabhängig von Wohnort und Einkommen zugänglich zu machen, werde angenommen – zugleich warnten sie vor Engpässen bei der Gürtelrose-Impfung.
Was wurde ausgeweitet und wer ist berechtigt
Laut den Angaben des Gesundheitsministeriums steht die Influenza-Impfung bereits seit der Saison 2024/25 allen in Österreich lebenden Personen kostenlos zur Verfügung. Im Jahr 2025 folgten die Gratis-Impfungen gegen Pneumokokken und Gürtelrose für Menschen ab 60 Jahren sowie für definierte Risikogruppen. Diese Ausweitung ist Teil der Strategie, gesundheitliche Prävention weniger von der finanziellen Lage der Bevölkerung abhängig zu machen.
Gürtelrose: Nachfrage übertrifft Vorrat – zweite Dosis gefährdet
Bei der Gürtelrose-Impfung ergibt sich jedoch eine konkrete logistische Herausforderung: Für das öffentliche Impfprogramm wurden rund 900.000 Dosen beschafft. Bis Ende August waren bereits etwa 647.400 Impfungen im e-Impfpass dokumentiert. Aufgrund der hohen Inanspruchnahme kann bei der nötigen zweiten Dosis das empfohlene Intervall von sechs Monaten überschritten werden, wie Vertreter des Gesundheitswesens und der Ärztekammer erklärten.
| Bestellte Dosen | Dokumentierte Impfungen (bis Ende August) |
|---|---|
| 900.000 | 647.400 |
Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart, wies darauf hin, dass es ärgerlich sei, wenn Praxen Impfstoffe für eine bestimmte Anzahl von Patientinnen und Patienten bestellen, dann aber nur die Hälfte der erwarteten Menge erhalten. Solche Lieferengpässe erschweren die konkrete Terminplanung in niedergelassenen Praxen.
„Gesundheit darf keine Frage des Geldbörserls sein.“
Mit diesem Satz fasste Gesundheitsministerin Schumann die Motivation hinter der Ausweitung zusammen. Die Aussage unterstreicht das rechtspolitische Ziel, Prävention für alle Schichten zugänglich zu machen. Gleichzeitig macht die derzeitige Versorgungslage deutlich, dass politische Zusagen logistische und finanzielle Umsetzung erfordern.
Stellungnahmen und offene Fragen
Die Ärztekammer begrüßt grundsätzlich die Erweiterung der öffentlichen Impfprogramme, fordert aber in der aktuellen Budgetlage klare Zusagen zur Versorgungssicherheit. Zusätzlich wünscht sich die Kammer eine kostenlose RSV-Impfung für Erwachsene; das Thema wird demnach weiterhin diskutiert, ist aber bislang nicht Teil der angekündigten Gratisangebote.
Ein weiterer Streitpunkt betrifft die geplante Möglichkeit, künftig auch in Apotheken zu impfen. Johannes Steinhart lehnt diese Ausweitung ab mit der Begründung, dass „unsere Assistenten in den Praxen besser ausgebildet“ seien und Apothekenpersonal diese Aufgaben nicht übernehmen dürfe. Diese Debatte berührt Fragen der beruflichen Zuständigkeit, der Qualitätssicherung und der regionalen Versorgung.
Konsequenzen für Patientinnen und Patienten
Kurzfristig ist vor allem bei älteren Menschen und Risikogruppen Vorsicht geboten: Wer die erste Gürtelrose-Dosis bereits erhalten hat, sollte sich frühzeitig um einen Termin für die zweite Dosis bemühen und im Zweifel Rücksprache mit der Praxis halten, falls das Sechs-Monats-Intervall überschritten zu werden droht. Gesundheitsexpertinnen und -experten betonen, dass Impfstofflogistik, Dokumentation im e-Impfpass und koordinierte Verteilung wichtig sind, um die angekündigten Gratisprogramme verlässlich umzusetzen.
- Influenza: seit Saison 2024/25 kostenlos für alle in Österreich lebenden Personen
- Pneumokokken und Gürtelrose: seit 2025 kostenlos für Menschen ab 60 und Risikogruppen
- Gürtelrose: knapp 900.000 Dosen beschafft; etwa 647.400 Impfungen dokumentiert – mögliche Verzögerungen bei der zweiten Dosis
Die Regierung will das Programm weiterentwickeln, betonte das Gesundheitsressort. Wie rasch zusätzliche Dosen beschafft oder logistische Engpässe beseitigt werden können, bleibt eine Frage der Beschaffung und der Finanzplanung. Für die Bevölkerung ist wichtig, Informationskanäle der Hausarztpraxen und offiziellen Gesundheitsstellen zu beobachten, um bei Bedarf zeitgerecht über Termine informiert zu sein.