Der Klimawandel hat konkrete Folgen für die Gesundheit von Menschen — und zwar jetzt, nicht nur in der Zukunft. Zunehmende Hitzewellen, eine verlängerte Belastung für Allergikerinnen und Allergiker sowie die Ausbreitung bislang unbekannter Krankheitserreger in neuen Regionen verändern bereits heute Erkrankungs- und Versorgungsmuster, wie die Umweltmedizinerin Claudia Traidl‑Hoffmann darlegt. Sie leitet das Institut für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit (EMIH) am Universitätsklinikum Augsburg und das Institut für Umweltmedizin bei Helmholtz Munich und untersucht, wie Umweltfaktoren die Gesundheit beeinflussen.
Welche gesundheitlichen Risiken beobachtet die Forschung?
Forschende sehen mehrere direkte und indirekte Mechanismen, über die die Erderwärmung die Gesundheit gefährdet. Dazu zählen nach aktuellen Erkenntnissen vor allem:
- Extreme Hitze: Häufigere und intensivere Hitzewellen erhöhen das Risiko für hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle, besonders bei älteren Menschen und chronisch Kranken.
- Verschlechterte Luftqualität: Höhere Temperaturen und veränderte Luftmassen können Ozon- und Feinstaubbelastungen begünstigen, was Atemwegserkrankungen verschlimmert.
- Längere Allergiesaisonen: Durch mildere Winter und früheres Pflanzenwachstum verlängert sich die Belastung für Allergikerinnen und Allergiker.
- Neue oder veränderte Infektionsrisiken: Erreger und Vektoren (etwa Mücken) breiten sich in Regionen aus, in denen sie zuvor nicht heimisch waren.
- Folgen extremer Wetterereignisse: Dürre, Überschwemmungen und Stürme beeinträchtigen physische und psychische Gesundheit und verschärfen Versorgungsengpässe.
Folgen für Spitäler und Gesundheitsversorgung
Die wissenschaftliche Gemeinschaft warnt davor, dass die Belastungen für Gesundheitssysteme in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen werden. Höhere Fallzahlen bei hitzebedingten Erkrankungen, mehr Atemwegserkrankungen in Zeiten schlechter Luft und zusätzliche Anforderungen durch neu auftauchende Infektionskrankheiten verlangen Anpassungen in Planung und Infrastruktur. Dazu gehören unter anderem Hitzeaktionspläne für Spitäler, Schulungen für medizinisches Personal zu neuen Krankheitsbildern und eine stärkere Vernetzung von Umwelt- und Gesundheitsdaten.
Was können Medizin, Politik und Gesellschaft tun?
Die Antworten müssen multidisziplinär sein. Medizinische Forschung kann frühe Warnsysteme und Anpassungsstrategien verbessern; Politik ist gefordert, Klimaschutz und Gesundheitsvorsorge zu verzahnen; Gesellschaft und Gemeinden können lokal wirksame Maßnahmen umsetzen. In der Forschung von Traidl‑Hoffmann spielt die Verknüpfung von Umweltfaktoren und Krankheitslast eine zentrale Rolle, um zielgerichtete Prävention zu entwickeln.
| Problem | Konkrete Auswirkung |
|---|---|
| Hitze | Mehr hitzebedingte Notfälle, Belastung für Pflege und Akutversorgung |
| Allergien | Verlängerte Saison, höhere Belastung für Allergikerinnen und Allergiker |
| Infektionserreger | Neue Vektoren und Regionen mit erhöhtem Infektionsrisiko |
Wichtig ist, dass Prävention nicht allein in den Händen der Gesundheitsberufe liegt. Stadt‑ und Raumplanung, Klima‑ und Verkehrspolitik sowie der Schutz von Ökosystemen tragen ebenfalls zur Gesundheitsvorsorge bei.
Wissenschaftskommunikation und Barrierefreiheit
Die Diskussion um Klima und Gesundheit braucht gute Kommunikation. Das vorgestellte Format mit Johannes Büchs zeigt, wie Wissenschaftsjournalismus und Expertinnen‑einschätzungen öffentlich zugänglich gemacht werden können. Die Veranstaltung mit Claudia Traidl‑Hoffmann wird auch in deutscher Gebärdensprache angeboten; eine Anmeldung für Gehörlose ist laut Veranstalter erforderlich unter veranstaltungen@koerber‑stiftung.de — ein Hinweis, der deutlich macht, dass Zugänglichkeit ein Bestandteil moderner Gesundheitsaufklärung sein muss.
Insgesamt ist die Forschung klar: Klimaveränderungen wirken sich direkt auf die Gesundheit aus. Die Herausforderung für Österreich und andere Länder besteht nun darin, Forschungsergebnisse in konkrete Maßnahmen zu überführen — von der Anpassung der Gesundheitsinfrastruktur bis zur Integration von Klima‑ und Gesundheitszielen in die politische Planung.
Als Ressortleiterin Gesundheit beobachte ich diese Debatte mit besonderer Aufmerksamkeit: Es geht um Prävention, Versorgungssicherheit und die Frage, wie wir vulnerable Gruppen schützen. Sachliche Information und koordinierte politische Schritte werden entscheidend sein, um die erwarteten Belastungen für Menschen und Gesundheitssysteme zu mindern.