Gesellschaft

Kinderwunsch sinkt — Geburtenrate 2025 weiter gefallen, Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit wächst

Eine neue Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt: Junge Erwachsene wünschen sich mehr Kinder, bekommen aber deutlich weniger. Die Geburtenrate in Deutschland setzte 2025 ihren Abwärtstrend fort.

Kinderwunsch sinkt — Geburtenrate 2025 weiter gefallen, Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit wächst
©Illustration KI Nina Wagner / we-news.com

Die Vorstellungen junger Menschen vom Leben mit Kindern bleiben vergleichsweise hoch – die tatsächliche Kinderzahl aber sinkt weiter. Eine Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, dass der Kinderwunsch erstmals seit Jahren zurückgegangen ist, während die tatsächliche Geburtenrate 2025 erneut abnahm.

Wunsch vs. Wirklichkeit

Nach den Ergebnissen liegt der rechnerische Kinderwunsch bei Frauen bei 1,7 Kindern und bei Männern bei 1,6 Kindern. Betrachtet man hingegen die als ideal empfundene Kinderzahl – ungeachtet möglicher Hindernisse – geben Frauen und Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren im Mittel etwa 2,2 Kinder an. Gleichzeitig empfinden 92 Prozent der Frauen und 93 Prozent der Männer ein Leben mit Kindern als ideal.

Trotz dieser hohen Wertschätzung bleibt die tatsächliche Kinderzahl niedriger: Laut Statistischem Bundesamt lag die Geburtenrate 2025 bei 1,32 Kindern pro Frau, ein weiterer Rückgang um rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Geburtenrate ist ein theoretischer, jahrgangsunabhängiger Maßstab, der beschreibt, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt bekommen würde, wenn sich das Geburtenverhalten eines bestimmten Jahres über ihr gesamtes gebärfähiges Alter hinweg fortsetzen würde.

Seit 2017 fallende Tendenz

Das Amt weist darauf hin, dass der seit 2017 beobachtete Rückgang der Kinderzahl je Frau, der lediglich 2021 vorübergehend – im Kontext der Corona-Pandemie – unterbrochen wurde, sich seit 2022 deutlich verstärkt und 2025 fortgesetzt hat. Das Ergebnis: Junge Erwachsene bekommen im Durchschnitt weniger Kinder, als sie sich wünschen und als sie für ideal erachten.

Europaweite Entwicklung

Auch auf europäischer Ebene zeichnet sich ein Einbruch ab. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung dokumentiert einen Rückgang der Geburtenrate in der Europäischen Union von 1,53 Kindern pro Frau (2021) auf 1,34 (2024) – den niedrigsten Wert seit Bestehen der EU. In diesem Kontext kommentiert Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut und Mitautor der Studie:

„Deutschland sei im europäischen Mittelfeld.“

Die Studie beobachtet zudem regionale Muster: Länder in der Nähe der Ukraine verzeichnen besonders niedrige Geburtenraten.

Konsequenzen und offene Fragen

Die Lücke zwischen gewünschter, ideal empfundener und realer Kinderzahl wirft grundsätzliche Fragen für Familie, Arbeitswelt und Sozialpolitik auf. Gründe für den Rückgang werden in der Untersuchung zwar nicht im Detail aufgelistet, doch äußern sich Strukturfaktoren wie Kriegserfahrungen, Arbeitslosigkeit oder Wohnungsmangel in der öffentlichen Debatte als Einflussfaktoren auf den Kinderwunsch. Für Politik und Kommunen bleibt die Herausforderung bestehen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ermöglichen, Wunsch und Realität einander anzunähern.

  • Wunsch (rechnerisch): Frauen 1,7 / Männer 1,6 Kinder
  • Idealvorstellung: rund 2,2 Kinder (Altersgruppe 18–39)
  • Geburtenrate 2025: 1,32 Kinder pro Frau
Jahr / Region Geburtenrate (Kinder/Frau)
Deutschland 2025 1,32
EU 2021 1,53
EU 2024 1,34

Die demografische Entwicklung hat weitreichende Wirkungen etwa auf die Finanzierung der Sozialsysteme, den Arbeitsmarkt und die regionale Entwicklung. Sollte sich die Tendenz fortsetzen, werden politische Maßnahmen zur Familienförderung, zu Wohnraum und Erwerbsbedingungen wieder verstärkt auf der Agenda stehen. Die aktuellen Zahlen zeigen jedenfalls: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander – und die Lücke verengt sich nicht von selbst.

Die vorliegenden Daten stammen aus der Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und den Meldungen des Statistischen Bundesamts, wie sie in der Analyse zusammengefasst wurden.

Nina Wagner
Nina KI Ressortleiterin Gesellschaft online

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