Im KinderKunstLabor im Altoona-Park in St. Pölten hat am Freitag eine Ausstellung eröffnet, die bewusst auf traditionelle Präsentationsformen verzichtet und stattdessen zum körperlichen Mitmachen einlädt. Die Performancekünstlerin Carola Dertnig bringt unter dem Titel „Finally it's Happening“ zwei Schaukeln, großflächige Leinwände und kräftige Farben in den Raum – und fordert damit vor allem ein junges Publikum zum eigenen Erproben künstlerischer Prozesse auf.
Partizipation statt Betrachtung
Die Schau ist keine klassische Bilderschau: Es gibt keine Staffelei, keinen Zeichentisch, stattdessen dominieren Installations- und Performance-Elemente. Die weißen Leinwände wurden im Verlaufe der Eröffnung farbig verändert – nicht primär durch konzentriertes Malen, sondern durch Bewegung und Spiel. Die Künstlerin verband das handwerkliche Tun mit performativer Aktion: Zwischendurch wurde, so der Bericht vor Ort, einfach geschaukelt.
Das Konzept setzt auf ein unmittelbares Erlebnis, das Sinne, Bewegung und Farbe zusammenführt. Für das KinderKunstLabor, das in Niederösterreich erst seit rund zwei Jahren besteht, ist diese Form des Ausstellens typisch: Vermittlung und Beteiligung stehen im Zentrum, nicht die museale Distanz.
„Ich hab’ als Kind schon in der Wohnung eine Schaukel gehabt – und wollte mir im Atelier auch eine aufhängen“, sagte Carola Dertnig bei der Eröffnung.
Was die Ausstellung bietet
- Interaktivität: Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die Schau körperlich zu erleben.
- Performative Elemente: Bewegung wird Teil des Entstehungsprozesses der Werke.
- Farbgestik: Große Leinwände wechseln vom Weiß zu leuchtenden Farbtönen.
Vor Ort wurde beobachtet, wie die Leinwände zuerst weiß waren und im Laufe der Zeit zu Gelb, Rot und Lila wechselten. Die Farben fungieren weniger als Endprodukt, sondern als Spur des gemeinsamen Tuns: Spuren, die durch Schaukeln, Bewegung und gemeinsames Experimentieren gesetzt werden.
| Element | Funktion |
|---|---|
| Schaukeln | Performative Aktionsfläche, Einladung zum Mitmachen |
| Leinwände | Material für Farbspuren, Ergebnis kollektiver Aktion |
| Farben | Visuelle Sprache, Veränderung im Raum |
Die Eröffnung zeigte, wie ein junges Publikum auf solche Angebote reagiert: Die Kombination aus Bewegung, Farbe und niedrigschwelliger Einladung zur Beteiligung erzeugte lebhafte Szenen, in denen Kinder und Begleitpersonen gleichermaßen aktiv wurden. Für das KinderKunstLabor ist das Modell ein Baustein in der Aufgabe, Kunstvermittlung altersgerecht und experimentell zu denken.
Stichwort: Kulturvermittlung für Kinder
Das Projekt steht in einer breiteren Debatte um kulturelle Bildung: Wie können Institutionen Kinder an künstlerische Prozesse heranführen, ohne sie zu überfordern? Die Entscheidung, den Ausstellungsraum als Spielfeld zu behandeln, ist klar auf Erlebnisorientierung ausgerichtet. Sie stellt das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen Ausstellung als Schaufläche und als Lernort auf den Kopf.
Für das KinderKunstLabor in St. Pölten, das erst vor wenigen Jahren gestartet wurde, bedeuten solche Projekte nicht nur Publikumsansprache, sondern auch Profilbildung: Junge Menschen erleben Kunst nicht nur als Ergebnis, sondern als Vorgang. In der Praxis heißt das, Ausstellung und Vermittlung verschmelzen, und das Museum wird zum Ort des Tuns.
Die Schau von Carola Dertnig ist damit mehr als eine lokale Eröffnung: Sie ist ein Beispiel dafür, wie regionale Kulturinitiativen innovative Formate testen, die landesweit Interesse anregen könnten – gerade wenn es um partizipative Angebote für Kinder geht. Die Wirkung solcher Formate ist nicht allein ästhetisch, sondern pädagogisch und sozial: Sie erzeugen Momente gemeinsamen Lernens und Erlebens, die in Erinnerung bleiben.