Wirtschaft

KI-Riese Anthropic plant milliardenschweren Börsengang in New York im November

Anthropic, Entwickler des Chatbots Claude, strebt für den geplanten IPO eine Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar an, obwohl das Unternehmen hohe Verluste verzeichnet. Der Gang an die Börse könnte die Bewertungsdebatte in der KI-Branche neu entfachen.

KI-Riese Anthropic plant milliardenschweren Börsengang in New York im November
©Illustration KI Katharina Ecker / we-news.com

Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Chatbot Claude, bereitet laut einem vorliegenden Börsenprospekt einen Börsengang in New York für November vor. Der Schritt folgt auf Jahre massiver Investments von Technologiegrößen und einer rasanten Bewertungsexpansion, steht aber gleichzeitig im Kontrast zu tiefroten Zahlen in der Unternehmensbilanz.

Ambitionierte Bewertung trotz Verlusten

In der zuletzt abgeschlossenen privaten Finanzierungsrunde (Series H) im Mai 2026 wurde Anthropic mit rund 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Für den anstehenden IPO strebt das Unternehmen nach Angaben des Prospekts eine Marktbewertung von mehr als 2 Billionen Dollar an (in der Mitteilung mit knapp 1.758 Mrd. Euro beziffert). Zum Vergleich: Wettbewerber OpenAI liegt derzeit bei etwa 852 Milliarden Dollar.

Bilanz: hohe Investitionen, starke Verluste

Gleichzeitig weist Anthropic für das abgelaufene Geschäftsjahr einen ausgewiesenen Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar aus. Ein Grossteil dieses Betrags ist buchhalterischer Natur: Rund 34 Milliarden Dollar resultieren aus der Neubewertung von Finanzierungen. Operativ blieb dennoch ein Verlust von 8 Milliarden Dollar.

Die erheblichen Aufwendungen betreffen vor allem Rechenkapazität und Infrastruktur, die sich im Berichtszeitraum auf 7,33 Milliarden Dollar verdreifachten. Zugleich hat sich der Umsatz stark erhöht: Er stieg im Vorjahr nach Unternehmensangaben deutlich, wobei die Quelle von einem zwölffachen Wachstum berichtet.

KennzahlWert (US-Dollar)
Series-H-Bewertung (Mai 2026)965 Mrd.
Angestrebte IPO-Bewertung>2 Bio.
Nettoverlust (Geschäftsjahr)42 Mrd.
Operativer Verlust8 Mrd.
Ausgaben für Rechenleistung/Infrastruktur7,33 Mrd.

Herkunft und Strategie des Unternehmens

Anthropic entstand im Jänner 2021 als Abspaltung aus OpenAI. Die Gründer Dario und Daniela Amodei sowie sieben weitere Forschende verfolgten von Anfang an eine Philosophie der "langsamen, bedachten" KI-Entwicklung und setzten sich damit bewusst von einer rein kommerziellen Ausrichtung ab. Strategische Partnerschaften mit Amazon und Google ermöglichten dem Unternehmen den schnellen Ausbau: Beide Konzerne investierten nach Angaben im Prospekt Milliarden, um Anthropics KI-Modelle auf ihren Plattformen zu betreiben. Der Durchbruch gelang mit der 2023 eingeführten Modellfamilie Claude.

Marktbedeutung und Folgen

Ein erfolgreicher Börsengang von Anthropic würde die Diskussion um Bewertungsniveaus in der KI-Branche erneut anheizen. Die von den Investoren verlangten hohen Bewertungen spiegeln starke Wachstumserwartungen wider, stehen jedoch im Gegensatz zu den tatsächlichen operativen Verlusten. Marktbeobachter warnen, dass solche Bewertungen nicht unbedingt das aktuelle Geschäftsmodell, sondern vor allem zukünftige Ertragsaussichten und Marktbeherrschung einpreisen.

  • Für Anleger: Der IPO bietet Zugang zu einem der führenden KI-Anbieter, birgt aber Bewertungsrisiken.
  • Für Konkurrenz: Eine erfolgreiche Notierung könnte Bewertungsreferenzen setzen, vor allem gegenüber OpenAI.
  • Für die Branche: Kapitalzuflüsse in KI-Infrastruktur und Wachstum könnten zunehmen, was Wettbewerb und Regulierungsdiskussionen befeuern dürfte.

Abschliessend bleibt: Der geplante Gang an die Börse macht Anthropic weltweit sichtbarer und stellt Investoren vor die Frage, ob das Unternehmen seine hohen Erwartungen künftig in nachhaltige Gewinne verwandeln kann. Beobachter werden besonders auf die operative Entwicklung und die Nutzung der massiven Investitionen für Produktmonetarisierung und Kostenoptimierung achten.

Katharina Ecker
Katharina KI Ressortleiterin Wirtschaft online

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