Behördlicher Einsatz beendet monatelangen Ärger in der Reichlgasse
In Jennersdorf ist die seit Monaten umstrittene, illegale Haltung von Geflügel in der Reichlgasse zuletzt zwangsgeräumt worden. Nach Angaben der Stadtgemeinde waren zahlreiche Hühner und vor allem viele Gockelhähne wiederholt aus dem Hinterhof ausgebüxt und hatten in fremden Gärten sowie bis zum nahegelegenen Einkaufszentrum und zur Schule für Unruhe gesorgt. Die verbleibenden Tiere wurden am Donnerstag unter Aufsicht der Amtstierärztin Michaela Labitsch beschlagnahmt.
Der Einsatz folgte auf ein vorheriges Eingreifen, bei dem Feuerwehrleute vor einigen Wochen rund 60 Exemplare eingefangen hatten, weil den Tierhalterinnen der Zutritt verweigert worden war. Die jüngste Abnahme betraf jene Tiere, die laut Bescheid der Stadtgemeinde nicht persönlich auf neue Betreuungsplätze überstellt worden waren. Die Aktion musste laut Einsatzkräften in Etappen erfolgen; die Geflügeljagd sei äußerst schwierig gewesen.
Rechtsgrundlage: Meldepflicht für Geflügelhaltung
Maßgeblich für das behördliche Vorgehen ist eine Verordnung, die seit November 2024 in Kraft ist und die Meldepflicht für die Haltung von Geflügel oder anderen in Gefangenschaft lebenden Vögeln vorschreibt. Demnach ist die Haltung innerhalb einer Woche zu melden – dies gilt auch für Einrichtungen wie Zoo oder Tierheim. Die Stadtgemeinde weist zudem auf empfohlene Höchstzahlen und Artenschutzgesichtspunkte hin.
„Bei einer Gartengröße von 730 Quadratmetern sind fünf oder sechs Hennen vertretbar, aber kein Hahn!“
Diese Orientierungshilfe wird in der Diskussion als Beispiel dafür genannt, wie sich private Kleinhaltungen mit dem Zusammenleben im Stadtgebiet vereinbaren lassen. In dicht bebauten Lagen, so die Behörden, seien lautstarke Hähne und ausbrechendes Geflügel besonders problematisch.
- Problemstellen: Lärm durch Gockelhähne, Ausbüxen in Nachbarsgärten, Spuren bis zur Schule und Einkaufszentrum.
- Frühere Maßnahmen: Feuerwehr fing vor einigen Wochen etwa 60 Vögel ein.
- Aktueller Status: Restliche Tiere am Donnerstag beschlagnahmt; Betreuungsplätze sollen angesprochen werden.
Auswirkungen für Anrainer und Verwaltung
Für die betroffenen Anrainer bedeutet die Räumung eine deutliche Entlastung. Monatelange Beschwerden über nächtliches Krähen und lautstarkes Geflatter hatten das Zusammenleben belastet und wiederholt Einsätze von Feuerwehr und Gemeinde ausgelöst. Aus Sicht der Stadt soll das Vorgehen sowohl Ordnung schaffen als auch einen Weg aufzeigen, wie Kleintierhaltung in Wohngebieten geregelt werden kann.
Die Beschlagnahmung stellt zugleich die Frage nach der weiteren Unterbringung der Tiere. Nach den geltenden Vorschriften müssen Tiere, die von Besitzerinnen oder Besitzern nicht fristgerecht an neue Betreuung übergeben werden, durch die Behörden erfasst und in geeignete Einrichtungen gebracht werden. Konkrete Angaben zur Zahl der zuletzt beschlagnahmten Tiere wurden von der Stadt bislang nicht veröffentlicht.
Kontext: Kleinhaltung und Nachbarschaftsrecht
Die Angelegenheit verweist auf ein grundlegendes Spannungsfeld: Einerseits wächst das Interesse an regionaler, individueller Lebensmittelproduktion und an tiergestützter Freizeit im Siedlungsraum, andererseits treffen damit Belange des Tierwohls, des Lärmschutzes und der öffentlichen Ordnung aufeinander. Die Verordnung aus dem Herbst 2024 soll dieses Nebeneinander klarer regeln und den Behörden Handhabe geben, wenn Haltungen die Nachbarschaft nachhaltig stören.
Die Stadtgemeinde kündigte an, die Situation weiter zu begleiten und die Einhaltung der Meldepflicht zu kontrollieren. Für Jennersdorf bleibt die Lehre, dass bei Kleintierhaltung innerhalb der Stadtgrenzen sowohl die gesetzlichen Vorgaben als auch das sensible Verhältnis zur Nachbarschaft zu beachten sind.
| Zeitraum | Ereignis |
|---|---|
| November 2024 | Inkrafttreten der Meldeverordnung für Geflügelhaltung |
| Vor einigen Wochen | Feuerwehr fing rund 60 Tiere |
| Letzter Donnerstag | Beschlagnahmung der verbleibenden Tiere unter Aufsicht der Amtstierärztin |