Im ehemaligen Markus‑Röhling‑Stolln in Annaberg‑Buchholz wird Klöppeln jetzt unter Tage praktiziert: Statt Faden greifen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Draht, dessen silbrige Optik bewusst an das historische Erz erinnert, das in diesem Bergwerk einst gefördert wurde. Die Aktion findet im Vorfeld der 37. Annaberger Klöppeltage statt und verknüpft die lange Bergbaugeschichte der Region mit einer ebenso alten Handwerkstradition.
Handwerk an ungewöhnlichem Ort
Die Klöppelstunde in der Maschinenkammer des einstigen Stollns ist Teil eines Programms, das das Kulturzentrum Erzhammer organisiert. Die Leiterin des Zentrums, Kristin Baden‑Walther, betont, dass durch das Arbeiten mit Draht eine bewusste gedankliche Brücke zum Bergbau geschlagen werde: Die metallische Optik des Materials erinnere an Silber und Kobalt, die hier über Jahrhunderte gewonnen wurden. Die Teilnehmerinnen des Klöppelkurses pflegen so ihr Hobby an einem besonderen Schauplatz — und setzen zugleich ein Zeichen für die enge Verwobenheit von regionaler Geschichte und traditionellem Handwerk.
Klöppeln als regionales Kulturgut
Das Erzgebirge gilt als ein Zentrum der Klöppelkunst in Deutschland: Seit mehr als 460 Jahren stellen dort Menschen per Hand filigrane Spitzen her. Aktuell sind nach Angaben der Veranstalter rund 15.000 aktive Klöpplerinnen und Klöppler in der Region tätig. Die Tätigkeit wird generationenübergreifend weitergegeben und prägt zahlreiche Orte des Erzgebirges.
„In jedem Ort im Erzgebirge wird geklöppelt“, erklärt Kristin Baden‑Walther.
Die Annaberger Klöppeltage bieten hierfür einen Rahmen: Neben Vorführungen und Ausstellungen sind Modenschauen und spezielle Stadtführungen geplant. Ein Wettbewerb mit dem Titel „GRUNDverschieden“ ist ebenfalls Teil des Programms; die Gewinner werden während der Veranstaltung geehrt. Erwartet werden Besucherinnen und Besucher nicht nur aus dem Erzgebirge, sondern auch aus anderen Teilen Deutschlands und dem Ausland.
- Ort: Markus‑Röhling‑Stolln, Annaberg‑Buchholz
- Anlass: 37. Annaberger Klöppeltage
- Besonderheit: Klöppeln mit Draht unter Tage
- Programmhighlights: Schauvorführungen, Ausstellungen, Modenschauen, Stadtführung, Preisverleihung „GRUNDverschieden“
Was Besucher erwarten können
Für Interessierte sind die Klöppeltage eine Gelegenheit, der Tradition live zu begegnen: Man sieht nicht nur fertige Spitzen, sondern kann den Arbeitsprozess beobachten und erfährt, wie Techniken von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die ungewöhnliche Kulisse des Besucherbergwerks verleiht den Vorführungen zusätzliche Authentizität, weil hier die Geschichte des Rohstoffabbaus als Hintergrundkulisse dient.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Dauer der Klöppeltradition | mehr als 460 Jahre |
| Aktive Klöpplerinnen und Klöppler | rund 15.000 |
| Auflage der Klöppeltage | 37. |
Für Besucherinnen und Besucher empfiehlt es sich, die Führungstermine und Veranstaltungszeiten vorab zu prüfen, da besondere Aktionen wie die Stollenvorführungen womöglich eine begrenzte Teilnehmerzahl haben. Wer selbst einmal klöppeln will, findet während der Tage sicher niedrigschwellige Angebote zum Ausprobieren. Für Kulturreisende ist die Kombination aus Handwerksschau und Bergwerksführung ein reizvolles Paket, das Einblicke in regionale Identität und traditionelle Fertigkeiten gewährt.
Die Verbindung von filigraner Spitze und rauer Bergbauarchitektur macht deutlich, wie lebendig und wandelbar Volkskunst sein kann: Alte Techniken werden nicht nur bewahrt, sondern neu interpretiert — in diesem Fall sichtbar durch den Einsatz von Draht, der sowohl materialästhetisch als auch symbolisch auf die Erzgeschichte verweist.