Behördliche Schließung und Ermittlungen
Im Bezirk Amstetten dauern die Ermittlungen gegen einen Schweinemastbetrieb an, auf dem Mitte Juli hunderte Tiere verendet aufgefunden wurden. Die Bezirkshauptmannschaft hat den Betrieb behördlich geschlossen; der Betreiber wird der Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei angezeigt. Weitere Maßnahmen, darunter ein mögliches Tierhalteverbot, werden geprüft.
Was bisher bekannt ist
Bei der Begehung des Hofes wurden laut Polizei und Landesveterinärdirektion rund 400 tote beziehungsweise bereits verweste Schweine entdeckt. Zusätzlich fanden die Ermittler einen Fehlbestand von etwa 1.000 Tieren. 88 Tiere lebten noch und wurden auf umliegende Betriebe verteilt.
„Der Fall ist für mich äußerst bedrückend“, sagte Landesveterinärdirektorin Christina Riedl im Gespräch mit dem ORF.
Aufgrund aufgefundener Knochen könne Kannibalismus nicht ausgeschlossen werden, heißt es in den Ermittlungsunterlagen. Die Ermittler prüfen nun die genauen Todesursachen und die Verantwortlichkeiten.
Vorgeschichte: Bereits ein Todesfall im Vorjahr
Die aktuelle Entdeckung ist nicht der erste schwere Vorfall auf dem Hof: Im Vorjahr waren laut Christina Riedl bereits 150 Schweine nach einem Lüftungsausfall erstickt. Die Landesveterinärdirektorin wies darauf hin, dass ein technischer Defekt auch in einem ordnungsgemäß geführten Betrieb vorkommen könne. Dennoch wurden diese Informationen offenbar nicht breit kommuniziert.
Kontrollen in Niederösterreich
Laut Riedl finden in Niederösterreich jährlich rund 6.000 Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben statt. Insgesamt gebe es etwa 36.000 Unternehmen in der Landesverwaltung. Wie oft ein Betrieb kontrolliert wird, richte sich nach Größe, Tierarten und früheren Auffälligkeiten; bei konkreten Verdachtsmomenten werde zusätzlich überprüft.
- Entdeckte tote Tiere: ca. 400
- Fehlbestand: ca. 1.000
- Lebende Tiere vor Ort: 88 (auf andere Betriebe verteilt)
- Vorjahresfall: 150 Schweine durch Lüftungsausfall
| Position | Zahl (ungefähr) |
|---|---|
| Im Juli gefundene tote Tiere | 400 |
| Fehlbestand | 1.000 |
| Vorjahresopfer (Lüftungsausfall) | 150 |
| Jährliche Kontrollen in NÖ | 6.000 |
| In Niederösterreich registrierte Unternehmen | 36.000 |
Konsequenzen und offene Fragen
Die Ermittlungen richten sich auf mehrere Ebenen: Strafrechtlich wird geprüft, ob sich der Hofbetreiber der Tierquälerei schuldig gemacht hat. Verwaltungsrechtlich stehen die Schließung und ein mögliches Tierhalteverbot im Raum. Zudem wird geprüft, wie es zu dem großen Fehlbestand kommen konnte und ob Zustände vorlagen, die zu Kannibalismus führten.
Die Landesveterinärdirektion betont die Verantwortung der Tierhalter: Wer merke, dass er mit der Situation nicht mehr zurechtkomme, müsse sich rechtzeitig Unterstützung holen. Aus dem Büro der für Tierschutz zuständigen Landesrätin wurde zudem mitgeteilt, der Betrieb sei bis Dezember 2025 regelmäßig kontrolliert worden.
Für Anrainer und Landwirte im Mostviertel wirft der Fall viele Fragen zur Tierhaltung, zu Kontrollmechanismen und zur Prävention ähnlicher Vorfälle auf. Die Behörden kündigen vertiefte Ermittlungen an; konkrete Ergebnisse werden im Laufe des Verfahrens erwartet.
Die Staatsanwaltschaft St. Pölten und die zuständigen Bezirkbehörden führen die Ermittlungen weiter. Hinweise und Befunde aus tierärztlichen Untersuchungen sowie die Auswertung von An- und Verkaufslisten sollen klären, wie sich das Tierbestandregister verändert hat und welche Verantwortung der Betriebsleiter trug.