Die Stadt Graz plant den Ankauf eines Grundstücks in Andritz, um dort einen neuen Park+Ride (P+R) mit etwa 300 Stellplätzen zu errichten. Für den Kauf sollen im Gemeinderat kommenden Donnerstag Mittel in Höhe von 3,6 Millionen Euro freigegeben werden. Der Beschluss erfolgt vor dem Hintergrund einer akuten Budgetkrise und laufenden Sparbemühungen der Koalition aus KPÖ und Grünen.
Hintergrund und strategische Einordnung
Die Fläche zwischen der Grabenstraße und den Straßenbahn-Gleisen war bereits in früheren Flächenwidmungsplänen als Vorbehaltsfläche für P+R ausgewiesen. Mit der im Vorjahr präsentierten P+R-Strategie wurde die Planung konkretisiert: Stadt und Land verfolgen demnach gemeinsame Ausbauziele für Park-and-Ride-Anlagen in Graz.
Im vorgelegten Strategiepaket sind mehrere Projekte genannt:
- Verdopplung der Anlage beim Murpark auf insgesamt 960 Stellplätze
- Erweiterung der Anlage in Graz-Webling um 225 Stellplätze
- Neubau in Andritz mit rund 300 Stellplätzen
Nach mehrjährigen Verhandlungen mit den Eigentümern wurde der Kaufpreis schließlich gerichtlich festgelegt. Die Stadt übt nun die vertraglich vereinbarte Option aus, um das Grundstück zu sichern.
„Würden wir jetzt Nein sagen, wäre das Grundstück für die Stadt und für einen P+R-Platz weg“
Standort und Erschließungsfragen
Der Standort gilt verkehrstechnisch als geeignet: Die Fläche liegt an einer wichtigen Autostraße und ermöglicht Pendlern aus dem Norden einen direkten Umstieg in die Straßenbahnlinien 3 und 5. Das verspricht eine Verknüpfung von Individualverkehr und öffentlichem Nahverkehr, die für P+R-Anlagen zentral ist.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Erschließungsaufgaben: Zurzeit fehlt eine direkte Autozufahrt; zudem ist ein Umbau der Kreuzung sowie eine Bewilligung durch das Land erforderlich. Auch ein Abgang zur Straßenbahn ist noch nicht vorhanden. Diese Maßnahmen sind Voraussetzung, bevor die Anlage betrieben werden kann.
Finanzielle Abwägungen und politische Dimension
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Stadt Graz Haushaltskonsolidierungen plant. Die Koalition arbeitet an einem Sparpaket, um Mehrausgaben aus der Behindertenhilfe in der Höhe von vorerst etwa 20 Millionen Euro zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund dürfte der Ankauf lokalen Diskussionen über Prioritäten und Investitionsfähigkeit auslösen.
Aus dem Büro des zuständigen Finanzstadtrats wurde betont, der jetzt festgesetzte Kaufpreis und die Optionsergreifung seien aus stadtplanerischer Sicht notwendige Schritte, um die P+R-Strategie nicht zu gefährden. Ein Verzicht auf den Erwerb würde nach Ansicht der Stadt die Chance auf den Standort dauerhaft zunichte machen.
Was nun folgt
Als nächster Schritt steht die formale Beschlussfassung im Gemeinderat an. Danach sind Abstimmungen mit dem Land über die erforderlichen Bewilligungen und Erschließungsmaßnahmen nötig. Erst nach Abschluss dieser Planungs- und Genehmigungsphasen kann mit dem Bau begonnen werden; konkrete Termine für Baubeginn oder Inbetriebnahme wurden bislang nicht veröffentlicht.
| Projekt | Geplante Stellplätze |
|---|---|
| Murpark (Verdopplung) | 960 |
| Graz-Webling (Erweiterung) | 225 |
| Andritz (Neubau) | 300 |
Die geplante Investition verbindet Fragen der Verkehrspolitik mit solchen der kommunalen Finanzsteuerung. Ob der Ankauf angesichts der aktuellen Haushaltslage politisch mehrheitlich getragen wird, entscheidet der Gemeinderat in der kommenden Sitzungsrunde.