Der Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, Neel Kashkari, hat die anhaltend hohe Inflation in den USA als branchenübergreifendes Problem gewertet und die jüngste Entscheidung der Notenbank unterstützt, den Leitzins anzuheben. Zugleich macht er deutlich, dass Zinsschritte keine kurzfristigen externen Schocks wie höhere Ölpreise beseitigen können.
Kashkari: Inflation über Energie- und Nahrungsmittelschocks hinaus
In einem Fernsehinterview bei Fox News erklärte Kashkari, die Teuerung treffe «alle Bereiche der Wirtschaft» und sei nicht allein auf die Entwicklung der Energiepreise zurückzuführen. Er betonte, dass die Inflation selbst dann zu hoch bleibe, wenn man volatile Komponenten wie Energie und auch Lebensmittel herausrechnet.
„Selbst wenn wir Energie herausrechnen, die wirklich sehr volatil ist, und auch Lebensmittel - sie sind sehr wichtig -, aber mit Blick darauf, wohin sich die Wirtschaft bewegt, ist die Inflation weiterhin zu hoch.“
Kashkari sprach sich für die jüngste, einstimmige Entscheidung der Fed aus, den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt anzuheben. Damit liegt die Zielbandbreite der Federal Funds Rate aktuell bei 3,75 % bis 4,00 %. Er gehörte in einer früheren Sitzung zu den wenigen Fed‑Vertretern, die eine Anhebung befürworteten, als die Mehrheit damals den Kurs unbewegt ließ.
Zinserwartungen und Märkte
Begleitend zur Zinsentscheidung veröffentlichte die Fed Projektionen, aus denen herving, dass die Mehrheit der Fed‑Vertreter für heuer weitere Zinsschritte erwartet: Nur zwei Vertreter rechnen demnach nicht mit mindestens einer weiteren Erhöhung um jeweils einen Viertelprozentpunkt.
Die Terminmärkte geben den Erwartungshaltungen nach, dass Ende 2026 der Leitzins mit einer Wahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln in der Spanne von 4,00 % bis 4,25 % liegen könnte. Marktteilnehmer sehen zudem eine beträchtliche Chance, dass bis Mitte 2027 noch mindestens ein weiterer Schritt um 0,25 Prozentpunkte folgt.
| Momentaner Zielbereich | Markterwartung Ende 2026 | Wahrscheinlicher weiterer Schritt bis Mitte 2027 |
|---|---|---|
| 3,75 %–4,00 % | 4,00 %–4,25 % (ca. 2/3 Wahrscheinlichkeit) | +0,25 Prozentpunkte (hohe Wahrscheinlichkeit) |
Rohölpreis als externer Faktor
Kashkari wies darauf hin, dass die Fed mit Zinsschritten zwar die inländische Nachfrage dämpfen könne, externe Angebotsstörungen – exemplarisch höhere Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen – aber nicht mit Geldpolitik zu beheben seien. Die Rohölpreise waren zuvor deutlich gestiegen, nachdem sich die Kampfhandlungen im Nahen Osten verschärft hatten: Im Persischen Golf wurden nach Berichten mehrere Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen und versenkt, und Saudi‑Arabien schloss infolge von Luftangriffen eine wichtige Ost‑West‑Pipeline.
Folgen für Europa und Österreich
- Höhere US‑Zinserwartungen stützen tendenziell auch die Renditen globaler Anleihen, was Finanzierungsbedingungen in Europa beeinflussen kann.
- Ein weltweiter Anstieg der Zinsen erhöht Druck auf Staaten und Unternehmen mit variabler Verschuldung; für österreichische Emittenten können Refinanzierungskosten steigen.
- Steigende Ölpreise belasten das reale Einkommen und treiben die Inflation in Europa zusätzlich, was wiederum die discussing der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beeinflussen kann.
Die Aussagen Kashkaris zeigen, dass die Fed weiterhin auf eine Straffung der Geldpolitik setzt, bis die Inflation wieder in Richtung des Zielwerts zurückläuft. Gleichzeitig macht er deutlich, dass bestimmte Preisfaktoren außerhalb der direkten Kontrolle der Notenbank liegen. Für Unternehmen, Investoren und die Fiskalpolitik in Österreich bleibt wichtig, die Entwicklung der US‑Zinssätze und der Rohstoffmärkte eng zu beobachten.
Diese Einschätzung basiert auf den Aussagen Kashkaris und den begleitenden Markterwartungen; konkrete politische Reaktionen in Europa und Österreich hängen von weiteren Daten und Entscheidungen nationaler sowie internationaler Institutionen ab.