Gesundheit Hallwang Salzburg (SB)

Fachtagung in Hallwang: Neue Ansätze gegen Suizide — Hilfsangebote und Erfahrungen im Mittelpunkt

Bei einer Fachtagung in Hallwang forderten Fachleute und Betroffene stärkere Unterstützung für Menschen in Krisen. In Österreich sterben dreimal so viele Menschen durch Suizid wie bei Verkehrsunfällen; besonders betroffen sind Jüngere.

Fachtagung in Hallwang: Neue Ansätze gegen Suizide — Hilfsangebote und Erfahrungen im Mittelpunkt
©Illustration KI Philipp Moser / we-news.com

In Hallwang (Flachgau) haben Expertinnen und Betroffene am Internationalen Tag der Suizidprävention über Strategien zur Verhinderung von Suiziden diskutiert. Im Fokus standen die Unterstützung von Menschen in akuten Krisen, die Rolle des sozialen Umfelds und die Frage, wie Angebote besser bekannt gemacht werden können. Fachleute wiesen darauf hin, dass in Österreich dreimal so viele Menschen durch Suizid sterben wie bei Verkehrsunfällen; bei Personen unter 34 Jahren ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.

Persönliche Erfahrungen als Anstoß für präventive Projekte

Die Pinzgauerinnen Selina und Lorena, die vor drei Jahren ihre Mutter durch Suizid verloren haben, schilderten bei der Veranstaltung ihren Weg aus der Trauer und wie Hilfe ihnen konkret geholfen hat. Sie hoben hervor, dass familiärer Zusammenhalt und therapeutische Begleitung wichtige Stützen gewesen seien.

„Uns haben die Familie und das Zusammenhalten geholfen. Wir haben auch bei Pro Mente eine Therapie in Anspruch nehmen dürfen. Das hat uns sehr geholfen.“

Aus ihrer Erfahrung heraus haben die beiden Frauen ein Selbsthilfe-Projekt gestartet und vor einem Jahr in Zell am See den ersten Mental Health Marathon organisiert. Der Reinerlös ging an die Ambulante Krisenintervention von Pro Mente. Ziel der Initiatorinnen ist es, das Thema Suizid in einem anderen Licht zu zeigen — weniger als Tabu, mehr als Frage von Stärke und Solidarität.

Praktische Hilfsangebote und Erreichbarkeit

Bei der Fachtagung wurden auch konkrete Anlaufstellen vorgestellt. Es wurde betont, wie wichtig es sei, dass Menschen in Krisen niederschwellige und verlässliche Kontakte finden. Ein offener Umgang in Familien, aber auch in Gemeinden und Schulen könne helfen, frühzeitig Alarmzeichen wahrzunehmen und Unterstützung zu mobilisieren.

  • Telefonseelsorge: bundesweit erreichbar unter 142 (gratis)
  • Rat auf Draht für Kinder und Jugendliche: 147
  • Kids-line: 0800 234 123 (kostenlos) und Online-Chat
  • Pro Mente Regionen Salzburg: Krisenhotlines — Salzburg: 0662 433351; St. Johann: 06412 20033; Zell am See: 06542 72600

Die Veranstalter hoben hervor, dass die bloße Bekanntgabe von Telefonnummern nicht ausreiche. Wichtig seien vernetzte Strukturen: niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Spitalsambulanzen, Kriseninterventionsstellen sowie freiwillige Helferinnen und Helfer in Gemeinden müssten besser zusammenarbeiten.

Mediale Berichterstattung und Sensibilität

Ein weiterer Themenschwerpunkt war die mediale Darstellung von Suiziden. Fachleute verwiesen darauf, dass Berichte über Suizide bei gefährdeten Personen Nachahmungseffekte auslösen können. Daher sei eine zurückhaltende, faktenbasierte Berichterstattung mit Hinweisen auf Hilfsangebote geboten.

„Das offene Reden hilft sehr.“

Dieses Credo der beiden Betroffenen reflektiert die Forderung nach einer entstigmatisierten Diskussion: Wenn Angehörige und Freundinnen und Freunde aufmerksam bleiben und Gespräche suchen, sinkt die Schwelle, Hilfe anzunehmen.

Regionale Perspektive und nächste Schritte

Landesweit bestehen bereits verschiedene Anlaufstellen, doch die Fachtagung machte deutlich, dass Lücken in der Versorgung bleiben — etwa bei der Erreichbarkeit in ländlichen Regionen oder bei Übergängen zwischen ambulanten und stationären Angeboten. Die Teilnehmenden plädierten für mehr Präventionsarbeit in Schulen, eine bessere Aus- und Fortbildung von Erstkontaktpersonen und für eine Aufwertung niedrigschwelliger, gemeindeorientierter Angebote.

BereichBeispielangebot
Akute KriseTelefonseelsorge 142, Pro Mente Krisenhotlines
JugendlicheRat auf Draht 147, Kids-line 0800 234 123
NachsorgeAmbulante Krisenintervention von Pro Mente

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten, dass Prävention nicht allein als Aufgabe des Gesundheitswesens verstanden wird. Schulen, Vereine, Arbeitgeber und Gemeinden müssten eingebunden werden, damit Hilfsnetzwerke funktionieren. Ebenso wichtig sei die Unterstützung für Hinterbliebene, die oft lange Zeit mit unerfüllten Fragen und schwerer Trauer kämpfen.

Die Fachtagung in Hallwang setzte damit einen Schwerpunkt auf Vernetzung, Sichtbarmachung von Hilfsangeboten und den offenen Austausch Betroffener. Die vorgestellten Maßnahmen und Erfahrungsberichte unterstreichen, dass Prävention sowohl professionelle als auch bürgerschaftliche Anstrengungen verlangt.

Philipp Moser
Philipp KI Korrespondent Salzburg online

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