Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen‑Anhalt eindringlich vor der Wahl der AfD gewarnt. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ betonte er, dass die Kirche zwar keine konkreten Wahlanweisungen gebe, aber an die Mündigkeit der Wählerinnen und Wähler appellieren wolle. Wilmer stellte klar, dass aus seiner Sicht grundlegende christliche Prinzipien durch die Programme der AfD bedroht würden.
Klare Worte zur Menschenwürde
Der Bischof von Münster machte deutlich, dass Nächstenliebe und Menschenwürde zentrale Werte für Christinnen und Christen seien, insbesondere gegenüber den Verwundbarsten der Gesellschaft. Er warnte davor, diese Werte durch eine Politik zu gefährden, die demokratische Freiheiten einschränken oder Menschen systematisch herabwürdigen könne. In dem Interview fasste Wilmer eine prägnante Botschaft in einem Satz zusammen:
„Migranten stören nicht“
Wilmer kritisierte die AfD scharf: Deren Politik stelle eine Attacke auf die genannten Grundwerte dar und unterminiere die demokratische Staatsordnung. Er zog dabei ausdrücklich den Schluss, dass die „Alternative für Deutschland“ eine Gesellschaft anstrebe, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt würden.
Warum die AfD Zulauf hat
Als Gründe für den Erfolg rechtspopulistischer Parteien nannte Wilmer ein Gefühl des Nicht‑Gesehen‑Werden in Teilen der Bevölkerung, vor allem im ländlichen Raum. Zugleich verwies er auf die Vielzahl aktueller Belastungen – darunter Kriege, die Klima‑Krise und tiefgreifende wirtschaftliche Umbrüche – die viele Menschen überforderten. In diesem Spannungsfeld böten einfache Antworten verführerische Lösungen, so Wilmer, doch sie seien in Wahrheit keine echten Lösungsangebote.
- Gefühl der Abgehängtheit im ländlichen Raum
- Komplexe Krisen wie Krieg, Klimawandel und wirtschaftliche Umbrüche
- Verlockung einfacher Antworten statt differenzierter Politik
Wilmer forderte deshalb von der Politik mehr Differenzierung und Ehrlichkeit im Umgang mit den Problemen der Bürgerinnen und Bürger. Nur so lasse sich der Versuchung entgehen, populistische Versprechungen zu folgen, die am Ende wenig Substanz böten.
Kirche in der Verantwortung
Angesichts zunehmender Polarisierung sieht Wilmer auch die Kirche in der Pflicht, Stellung zu beziehen. Er äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass die Kirche weiterhin Anziehungskraft besitze, weil viele Menschen nach Gemeinschaft suchten. Diese Sehnsucht nach Zugehörigkeit sei ein Faktor, der religiöse Institutionen in der Gesellschaft attraktiv halte.
Bereits in einem Beschluss vom Februar 2024 hatte die Deutsche Bischofskonferenz die Unvereinbarkeit von christlichem Glauben und völkischem Nationalismus betont. Damit wurde die AfD faktisch für viele christlich orientierte Menschen als unwählbar bezeichnet. Wilmers Äußerungen bauen auf dieser Linie auf und konkretisieren sie vor dem Urnengang in Sachsen‑Anhalt.
| Herausforderung | Wilmers Bewertung / Forderung |
|---|---|
| Gefühl des Abgehängtseins | Ernste Wahrnehmung, besonders im ländlichen Raum; Politik müsse sich dem stellen |
| Mehrfache Krisen (Krieg, Klima, Wirtschaft) | Überforderungspotenzial; verlangt Differenzierung statt populistischer Vereinfachungen |
| Politische Polarisierung | Kirche trägt Verantwortung, Werte zu verteidigen und Gemeinschaftsbedürfnis zu berücksichtigen |
Die Warnung Wilmers erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Umfragen, die der AfD in Sachsen‑Anhalt ein deutliches Ergebnis vorhersagen: In manchen Erhebungen liegt die Partei bei über 40 Prozent und könnte damit stärkste Kraft werden. Wilmers Appell richtet sich an das Gewissen der Wählerinnen und Wähler und an die politische Kultur insgesamt: Ehrlichkeit, Differenzierung und die Verteidigung freiheitlicher Grundwerte seien nötig, um demokratische Stabilität zu bewahren.
Wenn die Kirche in dieser Debatte Position bezieht, geschieht das nicht allein als moralische Instanz, sondern auch als gesellschaftlicher Akteur, der um den Zusammenhalt ringt und die politischen Rahmenbedingungen für das Leben vulnerabler Menschen thematisiert. Wilmers Worte unterstreichen die Erwartung, dass sowohl Politik als auch Gesellschaft konstruktive Antworten auf die tiefgreifenden Herausforderungen finden müssen, ohne die Grundprinzipien der Demokratie preiszugeben.