Bei einer Bergtour am Großvenediger gelang einer Seilschaft am Mittwoch eine lebensrettende Rettung: Ein Bergführer entdeckte aus dem Schnee ragende Hände und zog kurz darauf einen Mann aus einer Gletscherspalte. Unter der Stelle klaffte nach Angaben des Bergführers ein rund 30 Meter tiefes Loch.
Alarmierender Fund auf 3.400 Metern
Die Begegnung ereignete sich nahe dem sogenannten Rainertörl, einer Scharte auf etwa 3.400 Metern Seehöhe. Dort, so warnen Alpinisten, sollte man sich nicht ungesichert bewegen: Steigeisen und Seilsicherung sind erforderlich, selbst für erfahrene Bergsteiger. Der Bergführer, der die Rettung leitete, beobachtete zunächst aus einiger Distanz einen einzelnen Wanderer. Kurz darauf war dieser offenbar verschwunden; stattdessen sah die Seilschaft nur noch Rucksack, Arme und Hände, die aus dem Schnee ragten.
Der Bergführer und seine Gruppe sicherten sich mit Seilen und näherten sich vorsichtig. Nach eigenen Angaben gelang es ihnen, den Mann zu ziehen, bevor er wegrutschte und in die Tiefe gestürzt wäre. Der Bergführer betonte, dass der Verunglückte „am seidenen Faden“ gehangen habe.
„Wir haben dann rasch reagiert, ich und ein Mitglied meiner Gruppe wurden mit Seilen gesichert und näherten uns vorsichtig. Der Mann hing da am seidenen Faden.“
Rettung — dann Eigenständigkeit des Geretteten
Die Helfer konnten keine Identitäts- oder Unterkunftsdaten des Mannes ermitteln. Der Bergführer vermutet, es handle sich um einen Ostdeutschen. Nach der Rettung lehnte der Gerettete ein Angebot ab, sich der Seilschaft anzuschließen, gab ein Trinkgeld und setzte seinen Abstieg allein fort. Der Bergführer bezeichnete das Verhalten als eigenwillig, wies aber zugleich darauf hin, dass jede Person am Berg selbst Verantwortung für ihr Handeln trage.
Warnung vor veränderten Bedingungen durch Hitze
Der Bergführer machte deutlich, dass die diesjährige Hitzewelle die Lage auf dem Gletscher verschärft habe. Wegverläufe, die früher als sicher galten, könnten durch Abschmelzen und Bildung neuer Spalten plötzlich gefährlich werden. Solche Veränderungen betreffen besonders hochalpine Übergänge wie das Rainertörl.
- Ort: Rainertörl, Großvenediger (Osttirol)
- Tiefe der Spalte: rund 30 Meter
- Seehoehe der Scharte: etwa 3.400 Meter
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Bergführer seit | 1989 |
| Mutmaßliche Nationalität des Geretteten | Ostdeutsch |
| Rettungsumstände | Selbsthilfe der Seilschaft, kein Einsatz externer Rettungskräfte genannt |
Der Vorfall unterstreicht die anhaltende Gefahr für Alleingänger in hochalpinem Gelände sowie die Bedeutung von Erfahrung, Ausrüstung und sorgfältiger Routenwahl. Bergführer fordern, dass insbesondere bei hohen Temperaturen verstärkte Vorsicht geboten sei, weil Gletscher durch Hitzeinstrahlung instabiler werden können.
Konkrete Informationen zu Verletzungen des Geretteten oder zu weiteren Rettungsmaßnahmen wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt. Ebenso fehlen nähere Angaben zur Identität und zum weiteren Verbleib der betroffenen Person.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, die heuer in den Hochalpen auf veränderte Verhältnisse durch die ungewöhnlich warme Witterung hinweisen. Für Tourengeher bedeute das: Wegwahl, Seilsicherung und alpine Erfahrung sind unverzichtbar – und eine Rücksichtnahme auf Hinweise erfahrener Führer kann lebensrettend sein.