Düsseldorf. Das Landeskriminalamt Nordrhein‑Westfalen (LKA) verzeichnet seit Februar rund 20 Straftaten, die es einer neuen Gruppierung von sogenannter „Gen‑Z‑Mafia“ mit türkischem Hintergrund zuschreibt. Zu den registrierten Taten zählen unter anderem Schusswaffenereignisse, Brandstiftungen und Erpressungsdelikte gegen wohlhabende Geschäftsleute.
Art und Umfang der Delikte
Nach Angaben des LKA handelte es sich bislang in sechs Fällen um Taten mit Schusswaffen; in zwei weiteren Fällen wurde lediglich Munition in einem Umschlag hinterlassen. Insgesamt listet die Behörde etwa 20 relevante Straftaten seit Februar. In mindestens einem Fall wurde ein versuchtes Tötungsdelikt aufgenommen, das jedoch nach bisheriger Bewertung nicht im Zusammenhang mit einer Erpressung gestanden habe.
| Deliktart | Anzahl (seit Februar) |
|---|---|
| Schusswaffenereignisse | 6 |
| Munition deponiert | 2 |
| Insgesamt registrierte Straftaten | ~20 |
Modus Operandi und Ziele
Nach Einschätzung des LKA richten sich die Angriffe häufig gegen vermögende Geschäftsleute mit türkischem Hintergrund. Wenn die Opfer Schutzgeldzahlungen verweigerten, seien Fahrzeuge und Gebäude beschossen oder in Brand gesteckt worden. Die Gruppierungen zeichnen sich laut Behörde durch flache Hierarchien und wechselnde Mitglieder aus; die Täter sollen mobil sein und weite Strecken zurücklegen, um auch bundesweit tätig zu werden.
- Schwerpunkte: Städte entlang der Rhein‑Ruhr‑Schiene
- Struktur: lose, wechselnde Zusammensetzung, kaum feste Hierarchie
- Vorgehen: Erpressung, Brandstiftung, Schusswaffen, Mobilität über Regionen hinweg
Kontext und Vergleich mit anderen Bundesländern
Ähnliche Phänomene seien zuvor in Berlin und Teilen Süddeutschlands beobachtet worden, teilte das LKA mit. In Berlin hatte die Polizei bereits im Herbst 2025 die Sondereinheit „Ferrum“ gebildet, um gegen gewalttätige Gruppen und Schusswaffenkriminalität vorzugehen. Die NRW‑Behörden betonen, dass ein enger Austausch zwischen Landes‑ und Bundesbehörden stattfinde, um Erkenntnisse und Ermittlungsansätze zu bündeln.
„Es handelt sich um ein neues Kriminalitätsphänomen“, so das Landeskriminalamt in Düsseldorf.
Gefährdungslage für die Bevölkerung
Die bisherigen Taten richteten sich vornehmlich gegen eine wirtschaftlich definierte Zielgruppe, doch die hohe Gewaltbereitschaft und die Verwendung von Schusswaffen erhöhen die allgemeine Gefährdung. Dass Täter weit mobil sind und ihre Aufenthaltsorte häufig wechseln, erschwert die Ermittlungen und erhöht die Planungsanforderungen für polizeiliche Prävention.
Polizeiliche Maßnahmen und Ausblick
Die Polizei in Nordrhein‑Westfalen beobachtet die Entwicklung „intensiv“ und hat den Informationsaustausch mit anderen Sicherheitsbehörden verstärkt. Konkrete Maßnahmen wie die Bildung einer Sondereinheit in NRW wurden vom LKA in der vorliegenden Auskunft nicht genannt. Ermittler prüfen weiterhin Zusammenhänge zu bereits bekannten Gruppen in anderen Regionen.
Für betroffene Unternehmen und Privatpersonen bedeutet die Lage: erhöhte Wachsamkeit, Dokumentation von Drohungen und Sachbeschädigungen sowie frühzeitige Anzeige. Polizeiliche Beratungsstellen und Opferschutzorganisationen bieten Unterstützung bei Sicherheitsfragen und Präventionsmaßnahmen an.
Offene Fragen
Unklar bleibt bislang, inwieweit es direkte Verbindungen zu Gruppierungen außerhalb Deutschlands gibt und ob Anführer aus dem Ausland die Operationen steuern. Die Berichterstattung einzelner Medien nennt Gruppennamen wie „Daltons“, „Ezgins“, „Casper“ oder „Sirinler“, ohne dass das LKA diese Bezeichnungen in der amtlichen Mitteilung explizit bestätigt hat. Ermittlungen sollen klären, welche Netzwerke hinter den Taten stehen.
Die Bevölkerung wird gebeten, Beobachtungen und Hinweise an die Polizei zu melden. Bei unmittelbarer Gefährdung ist der Notruf 110 zu wählen. Die Auswertung der Lage und mögliche weitergehende polizeiliche Antworten werden in den kommenden Wochen zu erwarten sein.
Deniz Sahin, Korrespondent Nordrhein‑Westfalen – Direkt, faktenstark und mitten aus dem Revier.