Recherchen der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) legen nahe, dass im Jahr 2012 mehrere politisch exponierte Personen aus Linz und dem Land Oberösterreich von einer landeseigenen gemeinnützigen Gesellschaft vergünstigt Top‑Wohnungen in der Innenstadt erhalten haben. Betroffen seien dem Bericht zufolge Angehörige und Mitarbeiter aus dem Umfeld von ÖVP, SPÖ und FPÖ sowie Angehörige von Landesbeamten.
Welche Wohnungen und wer steht auf der Liste?
Die Wohnungen in dem betroffenen Gebäude in der Linzer Innenstadt wurden laut OÖN 2012 von der OGW, der damaligen Wohnbautochter der landeseigenen Energie AG, vergeben. Nach Angaben aus dem Bericht sollen unter anderem folgende Personen oder Angehörige aus politischem Umfeld auf der Eigentümerliste aufgetaucht sein:
- Mitarbeiter aus dem Büro von Landesrat Markus Achleitner (ÖVP)
- Mitarbeiter aus dem Büro von Landeshauptmann‑Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP)
- Die Ehefrau eines Landesbeamten, der im Büro von Landeshauptmann‑Stellvertreter Franz Hiesl (ÖVP) arbeitete
- Ein Linzer SP‑Gemeinderat sowie eine frühere SP‑Ersatzbundesrätin und zwei SP‑Funktionäre
| Jahr | Träger | Art |
|---|---|---|
| 2012 | OGW (Energie AG‑Tochter) | Vergabe von Innenstadtwohnungen |
Reaktionen aus Politik und Verwaltung
Der FPÖ‑Landesrat und Wohnbaureferent Manfred Haimbuchner bezog über Facebook Stellung zu den Vorwürfen. Er erklärte, eine der betreffenden Wohnungen sei mit einem Landesdarlehen verkauft worden, die andere ohne; die Preise seien für die damalige Zeit marktüblich gewesen und es habe sich nicht um „Sozialwohnungen" gehandelt. Zu dem Landesdarlehen schrieb Haimbuchner laut Bericht:
„Der Landesdarlehen ist natürlich zurückzuzahlen“
Für den frei finanzierten Wohnungskauf stellte er fest:
„und damit außerhalb jeglicher Landeskompetenz“
Die Grünen in Oberösterreich äußerten scharfe Kritik. Landesrat Stefan Kaineder sprach von einer „politischen Unkultur, die sich ÖVP, FPÖ und SPÖ über Jahre eingerichtet haben“, und verwies auf die Wahrnehmung vieler Menschen, die jeden Monat um leistbaren Wohnraum kämpfen.
Bedeutung für Linz: Wohnungsmarkt und Vertrauen
Die Vorwürfe treffen einen sensiblen Bereich in Linz: Innenstadtwohnungen sind infolge steigender Nachfrage und geringer Verfügbarkeit besonders begehrt. Für Beschäftigte und Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen wirkt jede Vermutung über privilegierte Vergaben belastend. Öffentliche Wohnbautöchter wie die OGW spielen in der regionalen Wohnungsversorgung eine zentrale Rolle; deshalb hat die Frage nach Transparenz und nachvollziehbaren Vergabekriterien unmittelbare Standort‑ und Sozialwirkung.
Konkrete Folgen sind bisher nicht bekannt. Der Bericht dokumentiert Anschuldigungen und offizielle Reaktionen, nicht jedoch strafrechtliche Feststellungen oder abschließende Prüfungen. Gleichwohl lassen sich aus der Berichterstattung mehrere Handlungsfelder ableiten:
- Prüfung der Vergabekriterien und Transparenzstandards bei OGW/Energie AG‑Tochter
- Klärung, ob Landesdarlehen ordnungsgemäß gewährt und zurückgefordert wurden
- Politische Aufarbeitung und mögliche parlamentarische Anfragen auf Landesebene
Ausblick
Ob und welche formellen Prüfungen folgen, bleibt offen. Die Darstellung in den Medien hat die Debatte um Zugänge zu gefragten Innenstadtwohnungen neu entfacht und den Druck auf Verantwortliche erhöht, Vergabepraxis und Governance landeseigener Gesellschaften transparent zu machen. Für die Bewohner und Beschäftigten in Linz ist zudem relevant, dass nachvollziehbare, faire Regeln herrschen — sowohl zur Vermeidung von Vorteilnahmen als auch zur Sicherung des öffentlichen Vertrauens in den Wohnbaubereich.
WE NEWS wird die weitere Entwicklung, etwa mögliche parlamentarische Nachfragen oder Prüfungen durch die zuständigen Stellen, verfolgen und über neue Erkenntnisse berichten.