Lesung und Ausstellung verbinden Sprache und Bild in Lienz
Die Stadtbücherei Lienz bringt im Herbst zwei künstlerische Positionen zusammen: Am Mittwoch, dem 7. Oktober, findet eine Lesung mit der Autorin Karin Peschka statt, zugleich wird die Ausstellung „Tagwerk & Nachtarbeit“ mit Werken des in Lienz geborenen Malers und Grafikers Michael Hedwig eröffnet. Die Ausstellung ist bis Ende November zu sehen und zeigt die langjährige Zusammenarbeit der beiden Künstler.
Die Kooperation von Peschka und Hedwig begann nach Angaben der Stadtbücherei 2008 mit dem Künstlerbuch „Sterntaler“. Seither entstanden zahlreiche gemeinsame Arbeiten, in denen sich Texte und Bildwelten wechselseitig ergänzen. Der Ausstellungstitel verweist auf ihre gemeinsame Reihe „Tagwerk & Nachtarbeit. Miniaturen“; 2014 fertigte Hedwig zwölf Radierungen zu kurzen Texten von Peschka an. Ganz aktuell erschien 2025 in der Edition Thurnhof das gemeinsame Projekt „ab- und angesang“: ein Langgedicht Peschkas begleitet von elf Offsetfarblithografien Hedwigs.
„Die Jury würdigt besonders ihre eigenständige Sprache und ihren Blick auf die Widersprüche hinter scheinbar vertrauten Lebenswelten.“
Die Lesung in Lienz rückt auch Peschkas jüngste Auszeichnung in den Fokus: Sie ist Trägerin des mit 15.000 Euro dotierten Anton-Wildgans-Preises 2026, dem Literaturpreis der Österreichischen Industrie. Peschka, geboren 1967 in Linz und in Eferding aufgewachsen, veröffentlicht Romane, Erzählungen, Lyrik und Theatertexte; zu ihren Büchern zählen „Watschenmann“, „Putzt euch, tanzt, lacht“ und „Dschomba“. 2024 erhielt sie den Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien.
Michael Hedwig, 1957 in Lienz geboren, ist in der österreichischen Grafikszene ein vertrauter Name. Er studierte von 1974 bis 1980 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Anton Lehmden und lehrte von 1985 bis 2022 an derselben Institution, zuletzt als Assistenzprofessor und Leiter der Tiefdruckwerkstatt. Sein Werk thematisiert den menschlichen Körper, seelische Zustände und das Miteinander; 1986 erhielt er den Hauptpreis beim 20. Österreichischen Grafikwettbewerb, 2000 den Theodor-Körner-Preis. Seit 2023 ist er Ehrenmitglied der Künstler:innen Vereinigung Tirol.
Wirkung in Lienz und darüber hinaus
Hedwig ist nicht nur als Lehrender und Ausstellender präsent, sondern gestaltet auch öffentlichen Raum. In Wien schuf er 2005 die dreiteilige Gemäldeinstallation „Bewegungen der Seele“ in der U3-Station Stubentor. In Lienz waren seine Arbeiten zuletzt prominent zu sehen: Ein elf mal sieben Meter großes Fastentuch hing 2024, 2025 und 2026 in der Pfarrkirche St. Andrä.
- Eröffnung: 7. Oktober (Lesung und Ausstellungseröffnung)
- Dauer der Ausstellung: bis Ende November
- Gemeinsame Projekte: seit 2008 (u. a. „Sterntaler“, „ab- und angesang“)
Die Veranstaltung bietet für Lienzer Kulturinteressierte die Gelegenheit, die Schnittstellen zwischen zeitgenössischer Literatur und Grafik zu erleben. Die Stadtbücherei setzt damit einen Schwerpunkt auf lokale wie überregionale Verknüpfungen: Hedwig pflegt eine enge Bindung an Lienz, lebt teils in der Stadt und zeigt hier Werke, die sonst in sakralen und öffentlichen Räumen zu sehen sind. Peschkas aufmerksamer Blick auf alltägliche Widersprüche findet in Hedwigs Bildwelten einen visuell starken Partner.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2008 | Beginn der Zusammenarbeit (Künstlerbuch „Sterntaler“) |
| 2014 | Hedwig: zwölf Radierungen zu Peschkas Texten |
| 2023 | Hedwig: Ehrenmitglied Künstler:innen Vereinigung Tirol |
| 2024–2026 | Fastentuch in der Pfarrkirche St. Andrä |
| 2025 | Edition „ab- und angesang“ mit Peschka/Hedwig |
| 2026 | Peschka: Anton-Wildgans-Preis |
Für Besucherinnen und Besucher aus Lienz und Umgebung stellt die Lesung eine leicht zugängliche Möglichkeit dar, aktuelle literarische Arbeiten kennenzulernen und zugleich regionale künstlerische Netzwerke zu erleben. Die Stadtbücherei betont, dass die Ausstellung auch jenen offensteht, die sich eher für bildnerische Arbeiten interessieren — die Verbindung von Text und Grafik soll unterschiedliche Publikumsschichten ansprechen.
Praktische Hinweise zu Uhrzeit, Eintritt und eventuell erforderlichen Platzreservierungen gibt die Stadtbücherei Lienz auf ihrer Webseite und vor Ort bekannt. Die Veranstaltung wird als Beitrag zur regionalen Kulturarbeit gesehen und erweitert das Angebot an literarischen und bildnerischen Formaten in der Bezirksstadt.