Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat die Ausschreibung für sechs neue Primärversorgungseinheiten (PVE) in Tirol gestartet – darunter eine für Landeck. Ziel ist eine rasche Aufnahme des Betriebs zu Beginn des kommenden Jahres. Konkret vorgesehen ist laut Ausschreibung ein Start ab 1. Jänner 2027, Bewerbungsfrist ist der 2. Oktober 2026.
Personal und Öffnungszeiten klar vorgegeben
Für die PVE in Landeck hat die ÖGK bereits verbindliche Vorgaben für die medizinische Versorgung gemacht. Geplant sind drei volle Stellen für Allgemeinmedizin. Darüber hinaus sollen neben diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal mindestens drei weitere Gesundheits- oder Sozialberufe Teil des Teams sein. In der Ausschreibung werden mögliche Disziplinen genannt, die je nach Bedarf eingesetzt werden können.
- Allgemeinmedizin: 3 volle Stellen
- Physiotherapie: Vollzeit (als Option angeführt)
- Logopädie: Vollzeit (als Option angeführt)
- Sozialarbeit: 20 Stunden/Woche (als Option angeführt)
- Klinische Psychologie: 10 Stunden/Woche (als Option angeführt)
- Psychotherapie: 10 Stunden/Woche (als Option angeführt)
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Erreichbarkeit: Die neue Versorgungseinheit muss ganzjährig mindestens 50 Stunden pro Woche geöffnet sein, verteilt auf Montag bis Freitag und einschließlich Tagesrandzeiten. Diese Vorgaben sollen die Versorgungslücken verringern, die in den vergangenen Jahren in Landeck entstanden sind.
Offene Fragen: Standort und Teamkonstellation
Beim konkreten Standort hält sich die ÖGK derzeit noch zurück. In der Ausschreibung ist festgehalten, dass das genaue Gebäude und die konkrete Teamzusammensetzung nach Abschluss des Vergabeverfahrens gemeinsam mit dem erstgereihten Bewerberteam entschieden werden sollen. Damit bleibt offen, wo in Landeck die PVE räumlich verankert wird und welche der vorgeschlagenen nicht-ärztlichen Disziplinen tatsächlich Teil des Betriebs werden.
| Aspekt | Vorgabe / Option |
|---|---|
| Ärztliche Stellen | 3 volle Stellen Allgemeinmedizin |
| Nebenberufe (Beispiele) | Physiotherapie, Logopädie, Sozialarbeit, klinische Psychologie, Psychotherapie |
| Öffnungszeiten | Mindestens 50 Stunden/Woche, ganzjährig, Mo–Fr, inklusive Tagesrandzeiten |
| Geplanter Betriebsstart | Ab 1. Jänner 2027 (Ziel laut Ausschreibung) |
| Bewerbungsfrist | Bis 2. Oktober 2026 |
Die ÖGK begründet die Auswahl der nicht-ärztlichen Berufsgruppen mit einer „bedarfs- und bedürfnisorientierten Prüfung der Versorgungslandschaft“. Welche Kombination letztlich umgesetzt werde, soll mit dem erstgereihten Bewerberteam verhandelt werden.
„Eine Integration der Augenheilkunde in die PVE ist gesetzlich nicht möglich“, teilte die ÖGK mit.
Dieser Hinweis ist relevant vor dem Hintergrund personeller Veränderungen in Landeck: So hat etwa der Augenarzt DDr. Siegfried Mariacher Ende März nach Innsbruck übersiedelt. Eine direkte Einbindung der Augenheilkunde in die PVE ist laut ÖGK rechtlich ausgeschlossen; Augenärztliche Versorgung bleibt daher gesondert zu organisieren.
Konsequenzen für die Versorgung im Bezirk
Für Patientinnen und Patienten in Landeck wäre die Errichtung der PVE ein markanter Schritt hin zu einer stabileren und umfassenderen Primärversorgung. Die drei vorgesehenen Hausarztstellen sollen auch die seit dem 30. Juni 2020 unbesetzte Stelle von Dr. Stefan Tiefenbrunn in die neue Struktur integrieren. Damit würde eine langjährige Lücke im hausärztlichen Angebot adressiert.
Offen bleibt, wie schnell nach Ablauf der Bewerbungsfrist ein Erstgereihter feststeht und inwieweit die Verhandlungen über Standort und Teamzusammensetzung rasch zu einem Vertragsabschluss führen. Entscheidend für die Versorgungsverbesserung ist neben der Besetzung der Stellen auch die praktische räumliche Umsetzung und die tatsächliche Öffnungszeitgestaltung, vor allem in den Abendstunden.
Interessierte Teams können sich bis zum angegebenen Termin bei der ÖGK bewerben. Die Ausschreibung und die weiteren Details dienen als Grundlage für die Auswahl. Landeck würde mit der PVE-Anbindung an ein überregionales Modell der Primärversorgung angeschlossen, das in Tirol und Österreich schrittweise ausgebaut wird.