Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) berichtet rund ein Fünftel der befragten Unternehmen in Deutschland über spürbare Auswirkungen sogenannter hybrider Bedrohungen aus dem Ausland. Unter hybriden Mitteln versteht man dem IW zufolge die Kombination von militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Maßnahmen — dazu gehören etwa Cyberattacken, Desinformation, Spionage und Sabotage.
Umfang und Betroffenheit nach Unternehmensgröße und Branche
Das IW hat insgesamt 1.041 Unternehmen befragt. Die Analyse zeigt, dass insbesondere größere Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten die Bedrohung stärker wahrnehmen. Branchen mit der höchsten Wahrnehmung sind demnach Information und Kommunikation, gefolgt von Energie- und Wasserversorgung sowie Entsorgung.
| Größe/Branche | Besondere Wahrnehmung |
|---|---|
| Unternehmen insgesamt | ~20 % spüren Auswirkungen |
| Mehr als 250 Beschäftigte | Stärker betroffen |
| Information & Kommunikation | Größte Risiko-Wahrnehmung |
Konkrete Befunde: Schwachstellen in Infrastruktur und Zusammenarbeit
Laut IW haben viele Firmen zwar mehr in IT-Sicherheit und digitale Infrastruktur investiert, doch bleiben erhebliche Lücken: Nur wenige Unternehmen haben ihre Energieversorgung besser abgesichert oder Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastruktur erstellt. Häufig fehlt zudem ein wirksamer Werkschutz; der Austausch mit Sicherheitsbehörden ist nach Einschätzung der Forscher unzureichend. Die Regelungen seien uneinheitlich und Abstimmungswege vielfach diffus.
„Dies erfordert eine neue Abwehrbereitschaft.“
Das IW warnt ferner, dass die mangelhafte Vorbereitung eine destabilisierende Wirkung auf die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft haben könne: Angriffe verursachten erhebliche Kosten, erhöhten Unsicherheit und könnten die Produktion beeinträchtigen.
Forderungen aus Wirtschaft und Praxis
Vor diesem Hintergrund hat etwa der Siemens-Energy-Chef Christian Bruch nach Angaben der dpa darauf hingewiesen, die Bedrohungslage habe in den vergangenen 12 bis 18 Monaten deutlich zugenommen. Er fordert einen zivilen Operationsplan, um im Krisenfall etwa die Versorgung mit Strom, Wasser oder Lebensmitteln besser zu schützen.
- Mehr Abstimmung zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden;
- Pflicht zu Notfallplänen für kritische Infrastrukturen stärken;
- Einheitlichere Regelungen und klarere Verantwortlichkeiten schaffen.
Ein im März in Kraft getretenes Gesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur nannte das IW in seiner Bewertung weiterhin hinter den Erfordernissen zurückliegend. Ohne Nachbesserungen bestehe das Risiko, dass staatliche und betriebliche Schutzmaßnahmen nicht ausreichten, um gezielte Angriffe adäquat abzuwehren.
Folgen für Unternehmen und Politik
Für die Unternehmen bedeutet die Lage, dass Investitionen in IT und digitale Systeme zwar notwendig, aber nicht ausreichend sind. Zusätzliche Maßnahmen reichen von physischen Schutzkonzepten über redundant angelegte Energie- und Lieferketten bis hin zu regelmäßigen Krisenübungen mit Behörden. Auf politischer Ebene stellt sich die Frage, ob bestehende gesetzliche Regelungen und Koordinationsstellen zügig angepasst werden müssen, damit Unternehmen und Infrastruktur resilienter werden.
Die IW-Ergebnisse zeigen, dass die Debatte um hybride Bedrohungen nicht länger eine Nischendiskussion ist, sondern zentrale Anforderungen an Sicherheits-, Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik stellt. Welche konkreten Schritte Bund und Länder nun setzen, wird entscheidend dafür sein, wie robust die Versorgung und die Produktionsfähigkeit in Deutschland künftig gegen gezielte Störakte bleiben.