Praktische Ausbildung mit hoher Eigenverantwortung in Steyr
In Steyr hat im September 2026 im städtischen Alten- und Pflegeheim Münichholz (APM) die erste interprofessionelle Ausbildungsstation in der Langzeitpflege Oberösterreichs begonnen. Das Projekt läuft über sieben Wochen, in denen Studierende Verantwortungsbereiche der Pflege und Therapie praktisch übernehmen. Träger der Ausbildungsinitiative ist die FH Gesundheitsberufe OÖ GmbH, die die Studierenden gemeinsam mit dem APM in die Praxisphase begleitete.
Die praktische Phase startete nach einer einwöchigen Vorbereitung am Campus; ab dem 21. September sind die Studierenden vor Ort tätig. Während einer zweitägigen Onboarding-Phase lernen die Teilnehmenden Abläufe, Aufgaben und Strukturen des Heimes kennen. In der anschließenden vierwöchigen Kernphase übernehmen sie tagsüber die Pflege, Betreuung und die physiotherapeutische Begleitung von mindestens 15 Bewohner:innen.
Teilnehmende, Rollen und Lernziele
Am Projekt sind insgesamt zehn Studierende beteiligt: acht aus der Gesundheits- und Krankenpflege sowie zwei Studierende der Physiotherapie, jeweils im fünften Semester. Eine zentrale Besonderheit ist der hohe Grad an Eigenverantwortung. Die Pflegestudierenden erstellen ihren Dienstplan selbst und wechseln innerhalb des Projekts berufliche Rollen, unter anderem:
- Wohnbereichsleitung
- Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege
- Pflegefachassistenz
- Fachsozialbetreuung Altenarbeit
- Pflegeassistenz
Die Physiotherapie-Studierenden übernehmen nach ihrer Einarbeitung selbstständig die physiotherapeutische Betreuung der Bewohner:innen.
„Erste interprofessionelle Ausbildungsstation in der Langzeitpflege Oberösterreichs“
Konsequenzen für Praxis, Ausbildung und Personalentwicklung
Für das APM und die beteiligten Studierenden bedeutet das Projekt eine Verlagerung von Beobachtungs- hin zu handlungsorientierter Lehre. Die Studierenden sammeln Erfahrungen in der interprofessionellen Zusammenarbeit und in der Übernahme von Leitungsaufgaben. Diese Praxisnähe kann langfristig sowohl die Employability der Absolvent:innen stärken als auch zur Entlastung des Stammpersonals beitragen – vorausgesetzt, die Einarbeitung und die Supervision sind ausreichend dimensioniert.
Für die Einrichtung ist das Modell zugleich ein Instrument der Personalgewinnung und -bindung: Studierende, die bereits während der Ausbildung Verantwortung übernehmen, lernen die Einrichtung intensiv kennen und können später als Fachkräfte gewonnen werden. Solche Modelle sind in Zeiten eines engen Arbeitsmarktes in der Pflege relevant, weil sie Ausbildung und Personalentwicklung verknüpfen.
Projektstruktur im Überblick
| Projektphase | Zeitraum | Inhalt |
|---|---|---|
| Vorbereitung | Woche vor 21. September | Intensive Vorbereitungswoche am Campus |
| Onboarding | ab 21. September, 2 Wochen | Einarbeitung in Abläufe und Strukturen |
| Kernphase | 4 Wochen | Eigenverantwortliche Pflege, Betreuung und Therapie für mind. 15 Bewohner:innen |
| Gesamtprojekt | 14. September – 30. Oktober 2026 | Siebenwöchiges interprofessionelles Lehrprojekt |
Ausblick und Relevanz für Steyr
Das Projekt in Steyr reiht sich in bundesweite Bemühungen ein, Ausbildungspraxen in der Pflege praxisnäher und interprofessioneller zu gestalten. Für Steyr ist die Initiative lokal relevant: Sie stärkt die Verbindung zwischen Hochschule und Pflegeeinrichtungen, schafft Transparenz über Kompetenzverteilung in der Versorgung und kann als Modell für weitere Einrichtungen in Oberösterreich dienen.
Wichtig für die praktische Umsetzung bleibt die Evaluation der Maßnahme hinsichtlich Patient:innenzufriedenheit, Lernerfolg der Studierenden und Entlastung des Stammpersonals. Aussagen zu diesen Effekten wurden bislang nicht veröffentlicht. Ergebnisse dieser Evaluation würden zeigen, ob das Modell in Steyr skaliert werden kann und welche organisatorischen Voraussetzungen dafür nötig sind.
Das Projekt läuft bis zum 30. Oktober 2026; Beobachter aus Bildung und Pflege werden die Abschlussphase nutzen, um Erkenntnisse für künftige Ausbildungsformen zu sammeln.