Passauer Spezialisten ergänzen lokale Geburtshilfe
Seit August hat das Klinikum Schärding seine kinderärztliche Versorgung für Neugeborene durch eine grenzüberschreitende Kooperation mit der Kinderklinik Dritter Orden Passau verstärkt. Hintergrund ist die Pensionierung des bisherigen diensthabenden Kinderarztes, der die U2-Untersuchungen im Klinikum übernommen hatte. Um die Kontinuität der Versorgung zu sichern, kommen nun an drei Tagen pro Woche Fachärzte aus Passau direkt nach Schärding.
Die Passauer Kinderärzte übernehmen im Klinikum die Neugeborenen-Basisuntersuchung U2, die zwischen dem zweiten und dem zehnten Lebenstag durchgeführt wird. Teil der U2 sind nach Angaben des Klinikums auch Ultraschalluntersuchungen der Nieren und Hüften. Damit wird die bisherige Struktur nicht nur erhalten, sondern um zusätzliche fachärztliche Kompetenz aus einem größeren Kinderzentrum ergänzt.
„Wir erweitern eine gute bestehende Versorgung um zusätzliche fachärztliche Kompetenz aus einem großen Kinderzentrum. Das ist eine sinnvolle Weiterentwicklung des Bewährten. Davon profitieren die Familien unmittelbar“, sagt Florian Degenhart, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Schärding.
Rolle für Notfälle und Telemedizin
Die Kooperation regelt nicht nur geplante Untersuchungen: Die Spezialisten aus Passau stehen laut Klinikleitung rund um die Uhr für Notfälle bereit und können bei Bedarf in kürzester Zeit vor Ort sein. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bei unerwarteten Komplikationen während oder kurz nach der Geburt telemedizinisch Rücksprache mit der Kinderklinik Passau zu halten. Diese Kombination aus Präsenztagen und telemedizinischer Verbindung zielt darauf ab, die Reaktionsfähigkeit bei Komplikationen zu erhöhen und Transportwege zu reduzieren.
Was bleibt lokal erhalten
Die regionale kinderärztliche Versorgung in der ambulanten Praxis des bisher ortsansässigen Kinderarztes bleibt weiterhin bestehen. Angehörige, die ohnehin in die Praxis des niedergelassenen Arztes gehen, werden dort wie gewohnt betreut. Für stationäre Aufenthalte von Kindern aus dem Bezirk gilt weiterhin: Die Kinderklinik Passau übernimmt die Versorgung der kleinen Patientinnen und Patienten.
- Wer: Kinderklinik Dritter Orden Passau in Kooperation mit Klinikum Schärding
- Was: U2-Untersuchungen (2.–10. Lebenstag), Nieren- und Hüftultraschall, 24/7-Notfallbereitschaft
- Wie oft: Präsenz von Passauer Kinderärzten an drei Tagen pro Woche
- Ambulant: Ortsansässige Praxis bleibt geöffnet
Konsequenzen für Standort und Personal
Für den Standort hat die Vereinbarung mehrere unmittelbare Effekte: Erstens sichert sie die Qualität der Neugeborenenversorgung durch spezialisierte Kinderärzte, zweitens stärkt sie die Attraktivität des Klinikums für Gebärende und damit potenziell auch die geburtshilflichen Kapazitäten. Drittens bedeutet die Kooperation eine Entlastung für die lokale Gynäkologie und das Pflegepersonal, das bei komplexen Fällen auf unmittelbaren fachärztlichen Rat zugreifen kann.
Für die Beschäftigten im Klinikum bringt das Modell planbare Abläufe an den Tagen mit Präsenzfachärzten, zugleich aber auch die Erwartung, bei Notfällen telemedizinisch oder vor Ort eng mit den Passauer Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten. Insbesondere für Rettungs- und Kreißsaal-Teams ist die kombinierte Präsenz- und Telemedizinlösung relevant, weil sie Entscheidungswege verkürzt.
| Leistung | Regelung |
|---|---|
| U2-Untersuchung | Durchführung in Schärding, 2.–10. Lebenstag |
| Ultraschall Nieren/Hüften | Inklusive bei U2 |
| Präsenz | Passauer Kinderärzte an 3 Tagen/Woche |
| Notfälle | 24/7-Bereitschaft, telemedizinische Rücksprache |
Die Maßnahme ist ein Beispiel regionaler Zusammenarbeit, die über Grenzen hinweg medizinische Lücken schließt, ohne die ambulante Versorgung vor Ort aufzugeben. Für Eltern im Bezirk bedeutet sie vor allem eines: eine raschere, fachärztlich gestützte Betreuung der Neugeborenen in den ersten Lebenstagen.