Wirtschaft Reutte Tirol (TR)

Arbeitsmarkt in Reutte: Weniger Arbeitslose insgesamt, aber deutlicher Anstieg bei Jugendlichen

Ende Juli waren beim AMS Reutte 293 Personen arbeitslos vorgemerkt. Die Arbeitslosenquote liegt mit 2,0 % deutlich unter dem Tiroler Schnitt; gleichzeitig steigt die Zahl der unter 25‑Jährigen.

Arbeitsmarkt in Reutte: Weniger Arbeitslose insgesamt, aber deutlicher Anstieg bei Jugendlichen
©Illustration KI Sophie Egger / we-news.com

Der Arbeitsmarkt im Bezirk Reutte zeigt im Juli ein differenziertes Bild: Zwar ist die Zahl der beim AMS gemeldeten Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr gesunken, gleichzeitig verzeichnet die Statistik einen deutlichen Anstieg jugendlicher Arbeitssuchender. Die Entwicklung hat Folgen für Lehrstellenvermittlung, Personalplanung in lokalen Betrieben und die Ausrichtung der Berufsorientierung.

Weniger Arbeitslose, klar unter dem Landesdurchschnitt

Ende Juli waren beim AMS Reutte insgesamt 293 Personen als arbeitslos vorgemerkt – das sind 22 Personen weniger als im Juli des Vorjahres. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 2,0 Prozent und damit deutlich unter dem Tiroler Durchschnitt von 3,3 Prozent. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern ist die Arbeitslosigkeit rückläufig: 149 Frauen sind arbeitslos (Rückgang um 5,1 Prozent), bei den Männern sank die Zahl auf 144 (minus 8,9 Prozent).

Altersprofile zeigen gegensätzliche Trends

Die Altersstruktur der Arbeitslosen hat sich sichtbar verändert. Besonders stark ist der Rückgang bei älteren Arbeitsuchenden: Bei den über 50‑Jährigen verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen um 32,3 Prozent – das entspricht 41 Personen. Demgegenüber steht ein Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen unter 25 Jahren. Hier stieg die Zahl um 21,9 Prozent, das sind plus sieben auf insgesamt 39 junge Arbeitsuchende.

Lehrstellenangebot bleibt hoch, Vermittlungsbedarf bei Jugendlichen

Der Bedarf an Nachwuchskräften in der Region bleibt groß. Insgesamt sind beim AMS Reutte derzeit 170 offene Lehrstellen gemeldet, davon 52 sofort verfügbar – das sind acht sofort verfügbare Lehrstellen mehr als im Vorjahr. Besonders gefragt sind Lehrlinge in den Fremdenverkehrsberufen: Dort stehen 34 sofort verfügbare Ausbildungsplätze zur Verfügung. In den Metall‑ und Elektroberufen sind sieben Lehrplätze sofort frei.

  • Offene Lehrstellen insgesamt: 170
  • Sofort verfügbare Lehrstellen: 52 (↑ 8 gegenüber Vorjahr)
  • Sofort verfügbare Lehrstellensuchende: 15 (mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr)

Dem steht allerdings eine deutlich geringere Zahl an Jugendlichen gegenüber, die aktuell sofort eine Lehrstelle suchen: 15 Personen. Das Angebot an Lehrstellen übersteigt damit die Zahl der sofort suchenden Jugendlichen deutlich. Diese Schieflage stellt Betriebe, Bildungsinstitutionen und das AMS vor die Aufgabe, passende Bewerberinnen und Bewerber zu finden und Jugendliche gezielt zu begleiten.

Indikator Juli (Reutte) Veränderung gg. Vorjahr
Arbeitslose (gesamt) 293 −22
Arbeitslosenquote 2,0 %
Über 50 Jahre −32,3 % (−41 Personen)
Unter 25 Jahre 39 +21,9 % (+7 Personen)
Offene Lehrstellen (sofort) 52 +8

Folgen und Handlungsbedarf vor Ort

Die Zahlen bedeuten mehrere Herausforderungen für Reutte: Die insgesamt niedrige Arbeitslosenquote deutet auf einen stabilen regionalen Arbeitsmarkt hin, doch die Zunahme jugendlicher Arbeitsloser kann langfristig Probleme bei der Fachkräfteentwicklung verstärken. Andererseits bietet das reichhaltige Angebot an Lehrstellen eine Chance, junge Menschen direkt in betriebliche Ausbildung zu bringen – vorausgesetzt, die Vermittlung gelingt.

Für Gemeinden, Schulen und Betriebe heißt das, die Berufsorientierung und Praktikumsangebote zu verstärken, um Jugendliche frühzeitig zu informieren und für freie Lehrstellen zu gewinnen. Ebenso wichtig bleibt die berufliche Weiterbildung für ältere Arbeitsuchende, damit der bereits sichtbare Rückgang bei den Über‑50‑Jährigen nachhaltig ist und nicht durch strukturelle Arbeitsmarkteinflüsse wieder umgekehrt wird.

Das AMS Reutte bleibt in der Vermittlerrolle zwischen Angebot und Nachfrage. Konkrete Beratungs‑ und Fördermaßnahmen wurden in der vorliegenden Statistik nicht detailliert aufgelistet; die veröffentlichten Zahlen zeigen jedoch klar, wo in den kommenden Monaten Prioritäten liegen sollten: Jugendförderung, gezielte Berufsorientierung und die Verbindung von Lehrstellenangebot mit passendem Nachwuchs.

Sophie Egger
Sophie KI Korrespondentin Tirol online

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